beyoglu_clip_image002Beyoğlu liegt auf der europäischen Seite von İstanbul und ist eine der ersten Ansiedlungen von İstanbul. Er ist unter dem Namen „Pera“ bekannt, was so viel wie „gegenüberliegende Seite“ bedeutet. Im Stadtteil Galata, der sich innerhalb der Grenzen von Beyoğlu befindet, lebten in byzantinischer Zeit die Genuesen. Die Christen aus Galata und die Ausländer siedelten sich in der Umgebung der Botschaften und entlang der İstiklal Caddesi an, die damals den Namen „Grand Rue de Pera“ trug, und verliehen Beyoğlu das Aussehen einer europäischen Stadt. Die Franziskaner Missionare, die sich in der Nähe der französischen und venezianischen Botschaften ansiedelten, bildeten den Kern der Siedlung. Auf diese Weise begann sich in İstanbul im 17. Jh. eine ganz eigene Gesellschaft zu entwickeln.Zwischen 1860 und 1864 wurden die Friedhöfe Aşıklar und Ayazpaşa in Beyoğlu aufgelöst, die Stadtmauern von Galata abgerissen und neue Straßen gebaut. Der Bau von Holzhäusern wurde verboten, um das Ausbrechen von Bränden zu verhindern. Der Tunnel, der Galatasaray mit Beyoğlu verbindet und das weltweit erste unterirdische Schienenverkehrssystem darstellt, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jhs., im Jahre 1873, in Beyoğlu in Betrieb genommen. 1913 wurden die ersten elektrischen Straßenbahnen zwischen Beyoğlu und Şişli eingesetzt.Am Übergang vom Osmanischen Reich zur Republik erstreckte sich der Siedlungsbereich von Beyoğlu von Teşvikiye und Maçka bis nach Beşiktaş, umfasste Şişli und dehnte sich bis an die Hänge des Goldenen Horns und des Bosporus aus. Im Zuge dieser Entwicklung wurden die Wohnungen mit der Zeit in Arbeitsstätten umgewandelt.

Die Hauptstraße, die in osmanischer Zeit Cadde-i Kebir und nach Gründung der Republik İstiklal Caddesi genannt wurde, entwickelte sich mit der Eröffnung von Geschäften, Banken, Cafés, Theatern, Kinos, Konditoreien und Vergnügungsstätten und erstreckte sich mit der einhergehenden Besiedlung bald von der Halaskargazi Caddesi bis nach Şişli.

Geschichte des Names Beyoğlu
Zur Entstehung des Namens Beyoğlu gibt es verschiedene Überlieferungen. Einer Erzählung zufolge stammt der Name Beyoğlu von Aleksios Komnenos, einem pontischen Prinzen, der zur Zeit von Fatih Sultan Mehmet zum Islam konvertierte und hier lebte. Laut einer anderen Erzählung lebte nicht ein pontischer Prinz hier, sondern Luigi Giritti, der Sohn von Andre Girittti, einem venezianischen Botschafter zur Zeit von Sultan Süleyman dem Gerechten. Dieser Mann, den die Türken „Bey Oğlu“ nannten, kam als Sohn des Botschafters und dessen griechischer Ehefrau zur Welt. Er wohnte in einem Haus in der Nähe von Taksim. Einer anderen Überlieferung zufolge erhielt dieser Stadtteil den Namen Beyoğlu, weil ein venezianischer Botschafter, der zur Zeit von Sultan Süleyman dem Gerechten hier lebte, diesen Ort in seinen Briefen als Beyoğlu bezeichnete. Der Name Pera wurde 1925 in der offiziellen Korrespondenz nicht mehr erwähnt und geriet mit der Zeit in Vergessenheit. Stattdessen wurde die Bezeichnung Beyoğlu immer gebräuchlicher und bald für das gesamte Gebiet verwendet. Pera war eine Ansiedlung, die sich im Anschluss an das byzantinische İstanbul entwickelt hat.

Kein anderer Stadtteil von İstanbul spiegelt die Seele von İstanbul so wieder wie Beyoğlu. Hier erwacht der Begriff „kosmopolitisch“ zum Leben. Die İstiklal Caddesi und die Straßen in der Umgebung sind nicht nur das Zentrum von Beyoğlu, sondern von ganz İstanbul. Darüber hinaus hebt sich Beyoğlu durch seine Lebensart und Architektur in seiner ganzen Form von der restlichen Türkei ab. Die Architektur wies schon immer westliche Einflüsse auf. In Beyoğlu und seiner Umgebung befinden sich mehr Kirchen und Synagogen als an anderen Orten von İstanbul. Einige der anderen bedeutenden Sehenswürdigkeiten und Orte der Gegend sind im Folgenden aufgeführt:

 

Bedeutende Orte und Sehenswürdigkeiten in Beyoğlu

 

  • Ağa Moschee
  • Karaağaç Kloster
  • Arap Moschee
  • Giresunlu Kloster
  • Atatürk Kulturzentrum
  • Cihangir
  • Denkmal der Republik
  • Blumenpassage
  • Galataturm
  • Galatasaray Gymnasium
  • Galatasaray Hamam
  • Galatasaray Museum
  • Serpuş Han
  • Taksim
  • Osmanische Bank
  • Armenische Üç Horan Kirche
  • Saint Antoine Kirche
  • Kırım Kirche
  • Galata Derwischkloster
  • Elhamra Han
  • Pera Palas
  • Tunnel
  • Terziler Synagoge
  • Fischmarkt
  • Deutscher Palast (Konsulat)
  • Englisches Bahriye Krankenhaus

         

Beyoğlu Passagen

  • Afrika Passage (1905)
  • Anadolu Passage (1910)
  • Rumeli Passage
  • Emek Passage
  • Beyoğlu Passage
  • Atlas Passage
  • Halep Passage
  • Çiçek (Blumen) Passage (Cite de Pera)
  • Aznavur Passage
  • Hacopulo (Hazzopulo) Passage
  • El-Hamra Passage
  • Suriye Passage
  • Europa-Passage

Beyoğlu ist der beliebteste Landkreis von İstanbul. Es ist vielleicht der einzige Ort, den die zehn Millionen Einwohner von İstanbul zwar nicht jeden Tag, aber doch jeden zweiten Tag unter irgendeinem Vorwand aufsuchen. In vielen Stadtvierteln, vom Taksim Platz bis zum Tünel Platz, von Tarlabaşı, Kasımpaşa und Çukurcuma bis nach Tophane, der Bankalar Caddesi und Galata, gibt es zahlreiche Ecken in Beyoğlu, die in der Vergangenheit eines jeden Einwohners von İstanbul zweifellos eine wichtige Rolle spielen. Seit 150 Jahren ist es das Zentrum der Modernisierung des Landes. Seine Hotels, Konditoreien, Cafés und Restaurants ziehen einheimische wie ausländische Besucher jeden Alters wie ein Magnet an. Die Moscheen, Kirchen und Synagogen schaffen eine angenehme Atmosphäre, in der unterschiedliche Glaubensrichtungen Platz finden. Schon in der Vergangenheit fanden sämtliche kulturellen und künstlerischen Veranstaltungen in Beyoğlu statt: Die Liebhaber von Kino, Theater, Oper, Kunstgalerien, Buchläden, Festivals und Biennale treffen sich hier. Beyoğlu erneuert sich selbst. Nach zahllosen Bränden ist Beyoğlu jedes Mal wie ein Phönix aus der Asche auferstanden. Auch jetzt arbeiten alle mit vereinten Kräften zusammen, um Beyoğlu ein modernes Aussehen zu verleihen. Diejenigen, die gut mit der Geschichte von Beyoğlu vertraut sind, haben das Album Beyoğlu 1857-2007 vorbereitet. Es ist eine Chronik für alle Liebhaber von Beyoğlu.
Ahmet Misbah Demircan
Bürgermeister von Beyoğlu